Grabenlose Sanierung ohne Aufbruch
Die Kanalsanierung mit Inliner ermöglicht es, beschädigte Abwasserrohre und Abwasserleitungen von innen zu erneuern – ohne Straßen, Böden oder Gebäude aufzureißen. Tiefbauarbeiten und Bagger sind bei diesem Sanierungsverfahren nicht nötig.
Rohr-in-Rohr mit bis zu 50 Jahren Haltbarkeit
Ein harzgetränkter Gewebeschlauch wird in das bestehende Rohr eingebracht und dort ausgehärtet. So entsteht ein neues, dichtes Rohr im alten Kanal – die DIBt-Zulassung fordert den Nachweis einer Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren.
Einsatz in Hausanschlüssen, Kommunen und Industrie
Das Inlinerverfahren eignet sich für private Abwasserleitungen ebenso wie für kommunale Kanäle und industrielle Rohrsysteme.
Deutlich günstiger als offene Bauweise
Da Erdarbeiten, Straßenaufbrüche und Oberflächenwiederherstellungen entfallen, liegen die Kosten in der Regel bei 150–450 € pro Meter – gegenüber 300–600 € und mehr bei der offenen Sanierung.
Inliner oder Kurzliner – das hängt vom Schadensbild ab
Während der Inliner ganze Rohrabschnitte erneuert, repariert der Kurzliner einzelne Schadstellen. Welches Verfahren passt, entscheidet die TV-Inspektion.
Die Kanalsanierung mit Inliner-Verfahren ist die am häufigsten eingesetzte Methode der grabenlosen Rohrsanierung in Deutschland. Ein harzgetränkter Gewebeschlauch – aus Glasfaser (GFK) oder Nadelfilz – wird in defekte Abwasserrohre eingebracht und dort ausgehärtet. Das Ergebnis: ein neues, dichtes Rohr im alten Kanal, ohne dass Bagger anrücken, Straßen gesperrt oder Bodenplatten aufgestemmt werden müssen.
Das Verfahren wurde in den 1970er-Jahren erstmals kommerziell eingesetzt und hat sich seitdem zum Standard in der Kanalsanierung entwickelt – vom privaten Hausanschluss über kommunale Kanalnetze bis zur Industrieentwässerung. Beschädigte Rohrleitungen, Risse, Verstopfungen und Rohrbrüche lassen sich damit beheben, bevor Folgeschäden an Gebäuden oder Grundwasser entstehen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie das Inlinerverfahren funktioniert, was eine Inliner-Sanierung kostet, welche Vorteile und Grenzen es gibt, und wann ein Kurzliner oder die offene Grabensanierung die bessere Methode ist.
Wie funktioniert das Inliner-Verfahren?
Beim Inlinerverfahren – auch Schlauchlining oder Longliner-Verfahren genannt – wird ein flexibler Gewebeschlauch mit Kunstharz getränkt, in das beschädigte Rohr eingebracht und dort ausgehärtet. So entsteht eine nahtlose, selbsttragende Innenbeschichtung. Die Technik ist besonders geeignet für lange Leitungslängen von bis zu 100–200 Metern und deckt damit den Bereich von Hausanschlüssen bis hin zu kommunalen Abwasserkanälen ab.
Der Schlauch wird exakt auf die Länge des zu sanierenden Abschnitts zugeschnitten. Je nach Rohrdurchmesser und Zugänglichkeit wird er entweder mit einer Inversionstrommel mittels Luftdruck eingestülpt oder mechanisch eingezogen. Durch den Druck schmiegt sich der Liner passgenau an die Rohrwandung an – auch durch Bögen und Dimensionsänderungen hindurch. Die minimale Durchmesserverringerung des neuen Rohres hat dabei kaum Einfluss auf die hydraulische Kapazität. Im Gegenteil: Die glatte innere Oberfläche verbessert den Abfluss und verringert das Risiko von Ablagerungen im Vergleich zu einem alten Rohr mit rauen oder beschädigten Wänden.
Aushärtungsmethoden: UV-Licht, Warmwasser oder Dampf
Welches Harzsystem zum Einsatz kommt, hängt von der gewählten Methode zur Aushärtung ab:
Wird vor allem bei GFK-Linern in öffentlichen Kanälen eingesetzt. Eine UV-Lichterkette wird durch den Liner gezogen; das Vinylesterharz härtet innerhalb weniger Minuten aus. Vorteil: Präzise steuerbar, kurze Aushärtezeiten, kein Wasserverbrauch. Alle qualitätsrelevanten Daten – Zuggeschwindigkeit, Temperatur – werden in Echtzeit protokolliert.
Eignet sich besonders für Hausanschlussleitungen mit kleineren Durchmessern (DN 50 bis DN 200). Das Rohr wird mit heißem Wasser gefüllt, das die Reaktion des Epoxidharzes gleichmäßig vorantreibt.
Kommt bei komplexeren Rohrverläufen und größeren Haltungen zum Einsatz – eine energieärmere Variante, die ebenfalls mit Zwei-Komponenten-Epoxidharzen arbeitet.
Unabhängig von der Methode entsteht eine dichte Innenbeschichtung, die nach DIBt-Zulassung eine Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren nachweisen muss (geprüft nach DWA-M 143-3).
Ablauf einer Inliner-Kanalsanierung – Schritt für Schritt
Die Vorbereitung des Inliner-Verfahrens umfasst eine Kanal-TV-Untersuchung und eine gründliche Hochdruckreinigung des Rohrs. Beide Schritte sind Voraussetzung für ein fachgerechtes Ergebnis.
Die Rohrleitungen werden mit einer Kanal-TV-Kamera befahren. Schäden wie Risse, Rohrbrüche, Wurzeleinwuchs oder Korrosion werden dokumentiert. Eine Lasermessung bestimmt den exakten Durchmesser und die Beschaffenheit der Leitung, damit der passende Liner ausgewählt werden kann.
Per Hochdruckspülung werden Ablagerungen, Wurzeln und Fremdstoffe entfernt – ähnlich wie bei einer professionellen Rohrreinigung. Bei Bedarf fräst ein Roboter eingewachsene Wurzeln oder Hindernisse weg. Anschließend wird die Leitung getrocknet, damit das Harz optimal haftet. Zugänge – Schachtabdeckungen, Revisionsöffnungen – werden freigelegt.
Der Schlauch wird auf die ermittelte Länge zugeschnitten. Eine Vakuumpumpe entzieht Luft aus dem Gewebe, bevor das Harz – Epoxid oder Vinylester, je nach Aushärtungsmethode – gleichmäßig eingebracht und mit einer Walze verteilt wird.
Der imprägnierte Liner wird mittels Inversionstrommel und Luftdruck in die Leitung eingestülpt oder über Schächte eingezogen. Der Druck presst ihn gleichmäßig gegen die Rohrwandung.
Je nach Harz- und Linersystem erfolgt die Aushärtung per UV-Licht, Warmwasser oder Dampf. Die Prozessparameter werden durchgehend überwacht und dokumentiert.
Seiteneinläufe und Hausanschlüsse, die vom Liner überdeckt wurden, werden mit einem Fräsroboter wieder geöffnet. Überstände werden entfernt. Eine erneute Kamerabefahrung prüft, ob der Liner fehlerfrei anliegt. Abschließend wird eine Dichtheitsprüfung nach DIN EN 1610 oder DIN 1986-30 mit Wasser- oder Luftdruck durchgeführt. Erst wenn alle Prüfungen bestanden sind, gilt der Kanal als betriebsbereit.
Inliner, Kurzliner oder offene Bauweise – welches Verfahren passt?
Inliner- und Kurzliner-Verfahren klingen ähnlich, sind aber technisch grundverschieden. Der entscheidende Unterschied liegt im Anwendungsbereich: Der Inliner (auch Schlauchliner oder Longliner) erneuert komplette Rohrabschnitte von Schacht zu Schacht. Der Kurzliner repariert einzelne Schadstellen punktuell. Und bei massiven Strukturschäden bleibt manchmal nur die offene Grabensanierung mit Tiefbauarbeiten und Kanalbau. Eine professionelle Schlauchliner-Sanierung erneuert dabei ganze Rohre auf voller Länge – die Inliner-Kanalsanierung zählt deshalb zu den Renovierungsverfahren, nicht zu den reinen Reparaturmethoden.
Vergleich: Inliner vs. Kurzliner vs. offene Bauweise
| Kriterium | Inliner (Schlauchliner) | Kurzliner | Offene Bauweise |
|---|---|---|---|
| Anwendung | Komplette Rohrabschnitte (mehrere Meter bis 100 m+) | Einzelne Schadstellen (punktuell, ca. 0,5–1,5 m) | Rohraustausch bei schweren Strukturschäden |
| Verfahren | Harzgetränkter Gewebeschlauch, per Inversion oder Einzug | Harzgetränkte Glasfasermatte, per Packer positioniert | Rohr wird freigelegt und komplett ersetzt |
| Lebensdauer | Bis zu 50 Jahre (DIBt-Langzeitnachweis) | Ca. 15 Jahre (Reparaturverfahren) | Vergleichbar mit Neurohr (50+ Jahre) |
| Kosten (Richtwert) | 150–450 €/m | Günstiger bei Einzelschäden, aber kurze Haltbarkeit | 300–600+ €/m (inkl. Erdarbeiten) |
| Bauzeit | 1–2 Tage | Wenige Stunden | 5–15 Tage |
| Eingriff | Grabenlos, kein Aufbruch | Grabenlos, kein Aufbruch | Erdarbeiten, Straßensperrungen, Lärm |
| Einschränkung | Rohrstruktur muss grundsätzlich intakt sein | Nur für lokale Einzelschäden geeignet | Höchster Aufwand, aber bei Einsturz alternativlos |
Wann welches Verfahren?
Inliner wählen, wenn das Rohrsystem auf längerer Strecke Schäden aufweist – etwa durch mehrere Muffenversätze, durchgehende Rissbildung, Korrosion oder alterndes Material. Auch bei mehreren Einzelschäden auf kurzer Strecke ist der Inliner oft die wirtschaftlichere Lösung, weil die Einrichtungskosten (Reinigung, Inspektion, Auf- und Abbau) bei beiden Verfahren ähnlich anfallen – der Inliner dann aber alle Probleme auf einen Schlag behebt und eine Haltbarkeit von bis zu 50 Jahren mitbringt.
Kurzliner wählen, wenn tatsächlich nur ein einzelner, klar begrenzter Schaden vorliegt – ein Riss an einer Muffe, ein lokaler Korrosionsschaden, ein kleines fehlendes Wandungsteil. Der Kurzliner ist in diesen Fällen schnell gesetzt (oft innerhalb weniger Stunden) und die Reparatur ist kostengünstiger als eine vollständige Inliner-Sanierung. Als Reparaturverfahren ist er auf eine Haltbarkeit von ca. 15 Jahren ausgelegt – das reicht als Überbrückung, bis eine umfassende Rohrsanierung ansteht.
Offene Bauweise, wenn das Rohr eingestürzt, stark deformiert oder so schwer beschädigt ist, dass die vorhandene Struktur keinen Liner mehr tragen kann. Auch bei fehlendem Gefälle oder fehlenden Zugangspunkten (kein Schacht, keine Revisionsöffnung) kann eine Grabensanierung notwendig sein.
Gelegentlich werden Kurzliner als Ersatz für einen Schlauchliner eingesetzt, indem mehrere Kurzliner hintereinander in ein Rohr gesetzt werden. Davon ist abzuraten. Die einzelnen Kurzliner versteifen die sanierten Rohrabschnitte lokal, während die Muffen dazwischen weiterhin beweglich bleiben müssen, um Erdverschiebungen auszugleichen. Diese ungleichmäßige Steifigkeitsverteilung kann zu neuen Rissen oder Rohrbrüchen führen. Wenn mehrere Schadstellen auf kurzer Strecke vorliegen, ist ein durchgehender Schlauchliner die fachlich korrekte Lösung.
Eine Kamera-Inspektion durch einen Fachbetrieb zeigt, welches Verfahren für Ihre Leitung das richtige ist.
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Was kostet eine Kanalsanierung mit Inliner?
Die Kosten einer Inliner-Kanalsanierung hängen von mehreren Faktoren ab. Eine pauschale Angabe ist nicht seriös, aber Richtwerte helfen bei der Einordnung. Die Art der Schäden hat einen direkten Einfluss auf die Kosten der Rohrsanierung mit Inliner – ebenso wie Länge, Durchmesser und Zugänglichkeit der Rohrleitungen.
Kostenrahmen im Überblick
Für eine Sanierung mit dem Inlinerverfahren liegen die Kosten in der Regel zwischen 150 und 450 € pro laufendem Meter. Die Spanne ergibt sich aus folgenden Faktoren:
Kleine Hausanschlussleitungen (DN 100–150) sind günstiger zu sanieren als große kommunale Kanäle (DN 300+). Mit steigendem Durchmesser wachsen Material- und Harzbedarf.
Längere Strecken sind pro Meter oft günstiger, weil die Einrichtungskosten (Anfahrt, Reinigung, Inspektion, Auf- und Abbau) sich auf mehr Meter verteilen.
Starker Wurzeleinwuchs, hartnäckige Ablagerungen oder nötige Vorarbeiten (z. B. Roboterfräsen) erhöhen den Aufwand. Ist die Leitung relativ sauber und gut zugänglich, sinkt der Preis.
Jeder Seiteneinlauf, der nach der Sanierung mit einem Fräsroboter wieder geöffnet werden muss, verursacht zusätzlichen Aufwand.
UV-gehärtete GFK-Liner sind in der Anschaffung etwas teurer, bieten dafür aber kürzere Aushärtezeiten und präzisere Prozesskontrolle.
In Ballungsräumen wie München, Hamburg oder Frankfurt liegen die Preise erfahrungsgemäß 15–30 % über dem Durchschnitt ländlicher Regionen.
Inliner vs. offene Bauweise: Der Kostenvergleich
Das Inlinerverfahren spart diese Positionen ein, weil die Sanierung komplett im Rohrinneren stattfindet. Auch die deutlich kürzere Bauzeit (1–2 Tage statt mehrerer Wochen) reduziert die Gesamtkosten. Langfristig rechnet sich die Inliner-Sanierung zusätzlich durch die Vermeidung von Folgeschäden: Undichte Leitungen können Austritt von Abwasser ins Erdreich verursachen, was zu Umweltschäden und teuren Bodensanierungen führt.
Genaue Kalkulation nur nach TV-Inspektion
Exakte Preise können erst nach einer professionellen Kamera-Inspektion des Abwasserkanals ermittelt werden. Dabei werden Schadensumfang, Rohrverlauf, Durchmesser und Zugänglichkeit dokumentiert – die Grundlage für ein verbindliches Angebot vom Auftraggeber an den Fachbetrieb. Lassen Sie sich immer mehrere Angebote von zertifizierten Unternehmen geben.
Detaillierte Informationen zu den Kosten verschiedener Sanierungsverfahren finden Sie in unserem Beitrag Kanalsanierung Kosten.
Vorteile und Grenzen des Inliner-Verfahrens
Die Vorteile der Inliner-Kanalsanierung gegenüber herkömmlichen Methoden der Rohrsanierung sind vielfältig. Im Vergleich zur offenen Bauweise überzeugt das Verfahren in nahezu allen Kategorien:
Die gesamte Sanierung findet im Rohrinneren statt. Straßen, Gehwege, Gärten und Gebäude bleiben intakt. Aufwändige Grabungsarbeiten mit Dreck, Lärm und Staub entfallen. In dicht besiedelten Gebieten oder unter versiegelten Flächen ist das Inlinerverfahren oft der einzige praktikable Weg.
Die innere Oberfläche des neuen Rohres ist deutlich glatter als die Wände alter, korrodierter Rohre. Das verbessert den Abfluss und verringert das Risiko künftiger Ablagerungen und Verstopfungen.
Abhängig von Rohrlänge und Durchmesser kann eine Inliner-Sanierung innerhalb eines Tages abgeschlossen sein. Die Infrastruktur – Straße, Gebäude, Betrieb – bleibt währenddessen in Funktion.
Die mit dem Inliner erzeugte Innenbeschichtung ist nahtlos und beständig gegen Korrosion sowie chemische Einflüsse. Die nachgewiesene Lebensdauer liegt bei bis zu 50 Jahren.
Durch den Wegfall von Erdarbeiten, Oberflächenwiederherstellungen und Verkehrssicherung liegen die Kosten deutlich unter denen der offenen Bauweise – bei vergleichbarer Lebensdauer des Ergebnisses.
Weniger Erdaushub, kein Abfall durch alte Rohrleitungen, kürzere Maschinenlaufzeiten. Moderne Harzsysteme sind lösungsmittelfrei. Gleichzeitig verhindert das neue, dichte Rohr den Austritt von Abwasser ins Erdreich und schützt damit Boden und Grundwasser.
Die Methode funktioniert in nahezu allen Rohrmaterialien (Beton, Steinzeug, Guss, Kunststoff), in Durchmessern von DN 50 bis über DN 1000 und bei verschiedensten Schadensbildern. Risse, Wurzeleinwuchs und Korrosion – all diese Schäden lassen sich mit dem Inlinerverfahren beheben.
Grenzen
Trotz der Vielseitigkeit gibt es Situationen, in denen die Inliner-Sanierung an ihre Grenzen stößt. Einschränkungen treten bei extrem starken Verformungen, sehr kleinen Durchmessern oder zu vielen engen Abzweigungen des Abwassersystems auf. In solchen Fällen müssen andere Methoden der Rohrsanierung geprüft werden:
Bieten keine ausreichende Struktur, an die sich der Liner anlegen kann. Hier ist ein Rohraustausch in offener Bauweise erforderlich.
Lassen sich durch den Inliner nicht korrigieren. Der Liner passt sich der vorhandenen Rohrgeometrie an – eine Lösung für dieses Problem erfordert den offenen Kanalbau.
Können die Einbringung des Liners unmöglich machen. Ohne Revisionsschacht oder ausreichend große Öffnung lässt sich der Schlauch nicht in die Leitung einführen.
Können die Installation erschweren. Bei Rohrleitungen mit mehreren 90°-Bögen oder komplexen Verzweigungen ist die Machbarkeit im Einzelfall durch eine TV-Kamera-Untersuchung zu prüfen.
In allen Grenzfällen gilt: Eine vorherige Kamera-Inspektion durch einen qualifizierten Fachbetrieb zeigt, ob das Inlinerverfahren technisch möglich ist – oder ob eine alternative Methode wie die Reparatur mit Kurzliner oder der Austausch in offener Bauweise gewählt werden sollte.
Anwendungsbereiche der Inliner-Kanalsanierung
Das Inlinerverfahren kommt in der Praxis in sehr unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz. Die grabenlose Technik macht es besonders dort wertvoll, wo konventionelle Grabungsarbeiten unverhältnismäßig aufwändig oder gar nicht durchführbar wären.
Häufigster Einsatzbereich. Die Abwasserrohre liegen oft unter Kellerböden, Bodenplatten oder dem Vorgarten. Typische Schadensbilder: Muffenversatz und Risse an Steinzeugrohren, Korrosion an Gussleitungen durch Wurzeleinwuchs. Der Inliner erneuert diese Entwässerungsleitungen, ohne dass Böden aufgestemmt oder Gärten aufgegraben werden.
Abschnittsweise Sanierung von Schacht zu Schacht. Typische Schäden sind hier Risse in Betonrohren, Korrosion an alten Steinzeugrohren oder undichte Muffen. Da keine Straßensperrungen oder großflächigen Baumaßnahmen nötig sind, können Kommunen ihre Rohrsanierung deutlich schneller und kostengünstiger abwickeln. Für lange Strecken von 100 bis 200 Metern eignet sich das Verfahren besonders gut.
Besondere Anforderungen an chemische Beständigkeit und Temperaturresistenz. Mit speziellen Vinylester- oder Epoxidharzen lassen sich auch Rohre sanieren, die aggressiven Medien oder erhöhten Temperaturen ausgesetzt sind. Die Vorteile der grabenlosen Rohrsanierung kommen hier besonders zum Tragen, da Produktionsausfälle minimiert werden.
Da diese Leitungen häufig in Grünflächen oder unter befestigten Wegen verlaufen, vermeidet die grabenlose Methode aufwändige Wiederherstellungsarbeiten.
Etwa in Innenhöfen, unter denkmalgeschützten Gebäuden oder in dicht bebauten Stadtkernen – hier profitieren Eigentümer besonders vom Inliner-Verfahren, weil andere Methoden oft nicht umsetzbar sind.
Materialien, Lebensdauer und Normen
Beim Inlinerverfahren kommen zwei Haupttypen von Liner-Materialien zum Einsatz:
Werden vorwiegend in kommunalen und industriellen Kanälen mit größeren Durchmessern eingesetzt. Sie werden werkseitig vorkonfiguriert, auf der Baustelle eingezogen und per UV-Lichtkette ausgehärtet. GFK-Liner bieten eine besonders hohe statische Tragfähigkeit und können so dimensioniert werden, dass sie sämtliche Lasten – auch Außendruck – vollständig selbst übernehmen.
Kommen überwiegend in Hausanschlussleitungen zum Einsatz. Sie sind bogengängig (auch durch 90°-Bögen) und werden per Inversionstrommel mit Luftdruck eingebracht. Die Aushärtung erfolgt meist mit Warmwasser oder Dampf. Für Rohre ab DN 50 sind spezielle Varianten verfügbar, die sich auch an Dimensionsänderungen innerhalb einer Leitung anpassen.
Als Harzsysteme werden Epoxidharze (Zwei-Komponenten, Aushärtung durch Wärme) und Vinylesterharze (Aushärtung durch UV-Licht) verwendet. Die Wahl hängt von Einsatzbereich, Rohrdurchmesser und der vorgesehenen Aushärtungsmethode ab.
Lebensdauer
Normativ gefordert: DIBt-Zulassung verlangt Langzeitversuche und Nachweis chemischer Beständigkeit über mindestens 50 Jahre.
Geringere Prüfanforderungen für die Zulassung. Geeignet als Überbrückung bis zur vollständigen Sanierung.
Entscheidend für die tatsächliche Haltbarkeit sind neben dem Material auch die fachgerechte Verarbeitung, die korrekte Aushärtung und der Zustand des alten Rohrs bei der Sanierung. Ein erfahrener Fachbetrieb mit aktueller DIBt-Zulassung ist daher Voraussetzung für ein langlebiges Ergebnis.
Normen und Vorschriften
Damit eine Kanalsanierung mit Inliner-Verfahren den technischen und rechtlichen Anforderungen genügt, müssen zertifizierte Materialien und zugelassene Verfahren eingesetzt werden. Die wichtigsten Regelwerke und Methoden im Rahmen der Kanalsanierung:
Technische Anforderungen und Qualitätsrichtlinien für die grabenlose Sanierung von Abwasserleitungen mit Schlauchlinern – von der Planung über die Ausführung bis zur Qualitätskontrolle.
Europäische Norm, die Materialeigenschaften und Prüfverfahren für Liner-Systeme festlegt.
Nationale Bauzulassung für Liner-Systeme und Harzkomponenten. Sie liefert den Nachweis über geprüfte Dichtheit und Beständigkeit über die geforderte Lebensdauer hinweg.
Regelt die Dichtheitsprüfung und Instandhaltung von Grundstücksentwässerungsanlagen.
Nur Fachbetriebe, die mit Materialien arbeiten, die über eine aktuelle DIBt-Zulassung verfügen, dürfen Inliner-Sanierungen fachgerecht durchführen. Achten Sie bei der Auswahl Ihres Betriebs auf entsprechende Zertifizierungen und Leistungen.
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Häufige Fragen zur Inliner-Kanalsanierung
Beim Inlinerverfahren wird ein harzgetränkter Gewebeschlauch in das beschädigte Rohr eingezogen oder per Luftdruck eingestülpt. Dort wird er an die Rohrwand gepresst und durch UV-Licht, Warmwasser oder Dampf ausgehärtet. So entsteht eine dauerhafte Rohr-in-Rohr-Sanierung – ganz ohne Aufgrabung oder Tiefbauarbeiten.
Ein fachgerecht eingebauter Inliner hält bis zu 50 Jahre. Dieser Wert wird durch Langzeitversuche im Rahmen der DIBt-Zulassung nachgewiesen. Kurzliner sind als Reparaturverfahren auf ca. 15 Jahre Haltbarkeit ausgelegt.
Die Kosten liegen in der Regel zwischen 150 und 450 € pro laufendem Meter, abhängig von Rohrdurchmesser, Leitungslänge, Zustand und Zugänglichkeit. Im Vergleich dazu kostet eine Grabensanierung 300 bis 600 € pro Meter und mehr. Eine exakte Kalkulation ist erst nach einer TV-Inspektion möglich. Mehr dazu in unserem Beitrag zu den Kanalsanierung Kosten.
Der Inliner erneuert komplette Rohrabschnitte und ist als Renovierungsverfahren auf bis zu 50 Jahre Haltbarkeit ausgelegt. Der Kurzliner repariert einzelne Schadstellen punktuell und hält ca. 15 Jahre. Die Inliner-Sanierung eignet sich für alte Rohre mit mehreren Schäden, während der Kurzliner bei isolierten Rissen oder einzelnen undichten Muffen die wirtschaftlichere Lösung ist. Welches Sanierungsverfahren das richtige ist, hängt von der Art und dem Umfang der Schäden ab. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur Kurzliner-Sanierung.
Das Verfahren funktioniert in nahezu allen Rohrmaterialien und in Durchmessern von DN 50 bis über DN 1000. Voraussetzung ist, dass die Grundstruktur des Rohrs noch ausreichend intakt ist. Bei eingestürzten Rohren, starken Verformungen oder fehlendem Gefälle kann eine Grabensanierung erforderlich sein. Auch bei sehr kleinen Durchmessern oder vielen engen Abzweigungen im Rohrsystem ist die Machbarkeit im Einzelfall zu prüfen.
Deutlich umweltfreundlicher als die offene Bauweise: Kein Erdaushub, kein Abfall durch alte Rohrleitungen, kürzere Maschinenlaufzeiten. Moderne Harzsysteme sind lösungsmittelfrei. Das neue, dichte Rohr verhindert den Austritt von Abwasser ins Erdreich und schützt Grundwasser vor Verunreinigungen.
In vielen Fällen ist die Sanierung innerhalb von ein bis zwei Tagen abgeschlossen. Bei kurzen Hausanschlussleitungen kann der gesamte Ablauf – von der Reinigung bis zur Abnahmebefahrung – sogar an einem Tag stattfinden.
Die wichtigsten Kostentreiber sind der Rohrdurchmesser, die Länge der zu sanierenden Strecke, der Zustand des alten Rohrs (z. B. Wurzeleinwuchs, Ablagerungen), die Anzahl der Anschlüsse, die gewählte Aushärtungsmethode und die regionale Preislage. Eine vorherige Kamera-Inspektion liefert die Grundlage für ein verbindliches Angebot.
Nur zertifizierte Fachbetriebe, die mit Materialien arbeiten, die über eine aktuelle DIBt-Zulassung verfügen. Die Sanierung erfordert spezielles Equipment (Inversionstrommel, UV-Lichterkette, Fräsroboter) und fundiertes Know-how in der Verarbeitung reaktiver Harzsysteme. Achten Sie bei der Wahl des Betriebs auf Zertifizierungen und Referenzen.



